|
Katalog Grundkenntnisse
(Ein Projekt aus dem Jahre
1997)
Wie bekannt ist, hat im Jahre 1990 die Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) einen "Katalog Grundkenntnisse in Mathematik" veröffentlicht. Das Ziel
dieses Dokuments bestand darin, den Stoff festzulegen, über den Studierende beim
Eintritt in eine schweizerische Hochschule verfügen müssen, weil er zu
Studienbeginn als bekannt vorausgesetzt wird. In der Zwischenzeit haben sich
einige Rahmenbedingungen für den gymnasialen und den universitären Unterricht
verändert. Es wurde ein neues Reglement über die Anerkennung von gymnasialen
Maturitätsausweisen (MAR) erlassen. Moderne technische Hilfsmittel eröffnen neue
Möglichkeiten, stellen aber auch zusätzliche Anforderungen an Gesellschaft und
Schule. Die DMK hielt es daher für angebracht, die Schnittstelle zwischen
Gymnasien und Hochschulen zu überprüfen. In Zusammenarbeit mit einer Kommission
der ETH Zürich wurde eine erste Fassung "Katalog der Grundkenntnisse in
Mathematik DMK 1997" erstellt und zur Vernehmlassung gebracht. Eine grosse
Mehrheit der Vernehmlassungspartner begrüsste das Vorhaben der DMK. Acht
Hochschulen, ca. 30 Gymnasien und diverse Einzelpersonen lieferten ein Feedback.
Die hier vorgelegte Fasssung trägt den eingegangenen Stellungnahmen
Rechnung. Der unter Teil B aufgeführte Stoffplan mag sich in manchen Punkten
nur unwesentlich vom 1990 herausgegebenen Katalog der Hochschulrektorenkonferenz
(HRK) unterscheiden. Dennoch wurde versucht, neue Akzente zu setzen. Die DMK ist
sich bewusst, dass eine Stoffliste nicht ausreicht, den Gehalt des
Mathematikunterrichtes zu umschreiben. Deshalb möchte sie, gestützt auf den
Rahmenlehrplan Mathematik, im Teil A einige grundsätzliche Ziele formulieren,
die ihrer Meinung nach die Basis für die Umsetzung des in Teil B beschriebenen
Stoffes bilden.
Teil A : Allgemeine Ziele
Der Mathematikunterricht soll den Gymnasiastinnen und
Gymnasiasten folgende Grunderfahrungen ermöglichen: · Mathematik ist ein sich
fortwährend weiter entwickelndes Netz von Ideen, Begriffen und Erkenntnissen.
Oft bestehen zwischen diesen unvermutete Zusammenhänge und es gibt überraschende
Phänomene und Muster, die sich mit Phantasie entdecken und durchschauen
lassen. · Für die Auseinandersetzung mit Mathematik sind der Drang nach
Erkenntnis, ästhetische Gesichtspunkte und Aspekte der Anwendung treibende
Kräfte. · Durch den Prozess des Modellbildens und Mathematisierens gewinnt
man mit Hilfe mathematischer Methoden Einsichten über die uns umgebende
Wirklichkeit, die anderswie wohl nicht zu erhalten sind. Dadurch ermöglicht die
Mathematik eine Fülle von Anwendungen in verschiedenen Disziplinen.
Dementsprechend erfordert der Umgang mit Mathematik ethisches
Verantwortungdbewusstsein. · Der Mathematikunterricht ist ein sozialer
Prozess, bei dem die Beteiligten einerseits durch Gedankenaustausch, und
andererseits durch eigenes Nachdenken mathematisches Verständnis aufbauen. Durch
die historische Dimension des Faches findet eine Kommunikation über viele
Generationen hinweg statt.
Aus dieser Sicht ergibt
sich, dass mindestens eine Auswahl der folgenden Gegenstände im Unterricht zur
Sprache kommen soll. Sie erscheinen hier, und nicht im Stoffkatalog, weil es
weder zweckmässig noch wünschenswert ist, sie im Detail vorzuschreiben. 1.
Logische Denkmuster, wie die Unterscheidung von notwendigen und hinreichenden
Bedingungen, die Formulierung der Negation von Aussagen, die Methode des
indirekten Beweises, die Beweismethode der vollständigen Induktion. 2.
Mathematische Modelle, z.B. lineare Optimierung, Funktionen als Modelle,
Wachstums- und Zerfallsprozesse, Anwendungen der Analysis in der Physik. 3.
Algorithmen, wie Euklidscher Algorithmus, Horner-Schema, iterative Verfahren zur
Lösung nichtlinearer Gleichungen, numerische Integration, Simulation in der
Stochastik. Ganz grundsätzlich sollen, wo immer sinnvoll und möglich,
informationstechnische Hilfsmittel zur Unterstützung des Mathematikunterrichts
eingesetzt werden.
Teil B : Stoffkatalog
Die im folgenden aufgeführten Gegenstände sollen
im Hochschulunterricht ohne weiteres verwendet werden können. Es wird also
erwartet, dass die Studierenden die Begriffe kennen, mit ihnen gearbeitet haben
und ohne lange Einarbeitung wieder sicher damit umgehen können.
| 1. Algebra |
| 1.1 Variable, Terme,
Gleichungen, Ungleichungen |
| 1.2 Lineare
Gleichungssysteme, Spezialfälle exemplarisch |
| 1.3 Reelle Zahlen,
nichtlineare Gleichungen, der Spezialfall der quadratischen
Gleichung |
| 1.4 Potenzen und
Potenzrechenregeln, Logarithmen und Logarithmenregeln |
| |
| 2. Stochastik |
| 2.1 Kombinatorik:
Zählprinzipien, Permutationen, Binomialkoeffizienten |
| 2.2
Wahrscheinlichkeit: Zufallsexperimente, Rechnen mit Wahrscheinlichkeiten,
Binomialverteilung |
| 2.3 Statistik:
Kennzahlen und einfache grafische Darstellungen von Daten, beurteilende
Statistik (Tests oder Vertrauensintervalle) via Simulation oder/und
Binomialverteilung |
| |
| 3. Analysis |
3.1 Funktionsbegriff
und verschiedene Arten der Bschreibung von
Funktionen (Funktionsgleichung, Zuordnungsvorschrift,
Input-Output-Schema) |
| 3.2 Grundfunktionen
und ihre graphische Darstellung (Polynome, einfache rationale Funktionen,
trigonometrische Funktionen, Exponential- und
Logarithmusfunktion) |
3.3 Beschreibende
Eigenschaften von Funktionen im anschaulichen Sinn (Monotonie,
Symmetrie, Stetigkeit, Periodizität, asymptotisches
Verhalten) |
| 3.4 Begriff der
Umkehrfunktion an konkreten Beispielen |
| 3.5 Begriff der
Ableitung auf der Grundlage eines intuitiven Grenzwertbegriffs,
verschiedene Erscheinungsformen der Ableitung (insbesondere
Tangentensteigung, Geschwindigkeit, Änderungsrate) |
| 3.6 Ableitungen der
Grundfunktionen xr, sin(x), cos(x), tan(x), exp(x), ln(x) |
| 3.7 Ableitungsregeln:
Summen-, Produkt- und Quotientenregel, Kettenregel |
| 3.8 Begriff des
bestimmten Integrals, verschiedene Erscheinungsformen des bestimmten
Integrals (insbesondere Flächeninhalt, Arbeit, Mittelwert) |
| 3.9 Hauptsatz der
Differential- und Integralrechnung |
| |
| 4. Geometrie |
| 4.1
Elementargeometrie: Flächeninhalte (Dreiecke, Vierecke, Kreis),
Strahlensätze, Ähnlichkeit, Satz von Pythagoras |
| 4.2 Trigonometrie:
Definition der Winkelfunktionen am Einheitskreis, Sinus- und
Cosinussatz,Additionstheoreme, harmonische Schwingungen |
| 4.3 Anschauliche
Darstellung von räumlichen Situationen (Schrägbilder). Oberfläche und
Rauminhalt von Prisma, Pyramide, Zylinder, Kegel, Kugel |
| 4.4 Vektorgeometrie:
elementare Operationen mit Vektoren, Skalarprodukt. Dastellung von
Geraden, Ebenen, gegenseitige Lage |
|